Beatmung, Weaning, Tracheotomie

Die Gründe für die Notwendigkeit einer Beatmung, Trachealkanüle und für auftretende Kommunikationshindernisse können breit gefächert sein. Die Beatmung ist die Folge eines akuten Geschehens, eines geplanten Eingriffs oder Folge einer chronischen Erkrankung.

Allen Ursachen ist gemeinsam, dass sich die Patienten/Patientinnen häufig „sprachlos“ erleben und in ihrer Kommunikationsfähigkeit erheblich eingeschränkt sind. Sie können ihre Wünsche, Absichten, Bedürfnisse und Fragen nicht bzw. nur eingeschränkt formulieren. Zu den Schwierigkeiten bei der Sprachproduktion können auch Einschränkungen im Sprachverständnis kommen. Neben einer „mechanischen“ Beeinträchtigung des Sprechens bei Intubation oder Tracheotomie sind Aphasien, Sprechapraxien oder Dysarthrien häufige Gründe für eingeschränkte Kommunikationsfähigkeiten. Gefühle wie Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein begleiten diese Situation. Ebenfalls stehen das Pflegepersonal, die Angehörigen und alle anderen, die an der Versorgung beteiligt sind, vor der Herausforderung, wie sie eine Kommunikation ermöglichen und gestalten können.

Bewusstsein entwickeln

Häufig gelingt es den Betroffenen nicht, kommunikative Situationen zu initiieren und nach eigenen Wünschen zu gestalten. Es tritt ebenfalls eine Abhängigkeit vom Gegenüber auf. Der/die Patient/-in ist darauf angewiesen, dass sein/ihr Gegenüber Signale erkennt und diese richtig interpretiert. Daher ist es von besonderer Bedeutung, die Kommunikationsfähigkeiten zu evaluieren und ein Bewusstsein für das Thema aufzubauen. Ziel ist: sensibel für Ressourcen zu werden und im zweiten Schritt geeignete Kommunikationsmöglichkeiten zu erörtern, die zur Verfügung gestellt werden können.

Vorgehen

  • Erfassen von motorischen, sensorischen, kognitiven und sprachlichen Ressourcen
  • Auswahl und zur Verfügung stellen von Methoden und Materialien
  • transparente und nachvollziehbare Dokumentation der Ergebnisse
  • Instruktion des Umfeldes

Möglichkeiten kennen, bereitstellen und anwenden

Die Art miteinander zu kommunizieren, muss neu geordnet und teilweise auch gelernt werden. Das gilt für die Betroffenen ebenso wie für das Umfeld. Ziel ist: Alternativen zur Kommunikation zu ermöglichen oder nach Möglichkeiten zum Überbrücken und/oder zur Hilfe der Reorganisation der Kommunikation zu suchen. Dabei liegt der Fokus auf dem Schaffen eines Kommunikationssystems, welches dem/der Patienten/Patientin Teilhabe am täglichen Leben und Einfluss auf die Umwelt ermöglicht.

Häufig werden Sprechventile eingesetzt, Lippenlesen, Schreibtafeln, der Einsatz von Gesten und Sprechzeichen sind ebenso gängige Methoden. Jedoch ist dies nicht bei allen Patienten/Patientinnen möglich bzw. erfolgreich umsetzbar. Hier bietet die Unterstützte Kommunikation (UK) weitere Handlungsoptionen.

Der erfolgreiche Einsatz einer Kommunikationsstrategie wird maßgeblich von äußeren Faktoren beeinflusst. So spielen z.B. die Positionierung der Patienten/Patientinnen oder Kenntnisse des Umfeldes eine große Rolle. Besonders wichtig ist es daher, Informationen über die Art und Weise der Kommunikationsmöglichkeiten der Patienten/Patientinnen und die benötigte Unterstützung in einem „Kommunikationspass“ zusammenzufassen und zugänglich zu machen.

Im weiteren Vorgehen wird mit dem/der Patienten/Patientin und/oder den Angehörigen gemeinsam erhoben, welche Anlässe bzw. Themen für ihn/sie wichtig sind und wie die Art der Unterstützung aussehen soll.

Mögliche Kommunikationsbegebenheiten können sein

  • um Hilfe rufen, Aufmerksamkeit erregen (Adaption der „Klingel“)
  • medizinisch relevante Informationen geben bzw. erhalten (z.B. Schmerzen, weiteres Vorgehen)
  • emotionale Bedürfnisse benennen
  • Kontrolle erhalten (z.B. Aussagen wie ja, nein, weiß nicht, was anderes, stopp)
  • Anweisungen geben bzw. um Unterstützung bitten (z.B. Lippen befeuchten, absaugen)
  • Fragen stellen
  • Persönlichkeit ausdrücken, soziale Interaktion
  • Wohlbefinden herstellen
  • Umfeld steuern (z.B. Musik, Fernseher)

Häufig ist es sinnvoll mehrere Möglichkeiten zur Kommunikation nebeneinander zu etablieren, da sie von den individuellen Fähigkeiten der Betroffenen abhängt, die oft Tagesschwankungen unterliegt. Ein flexibler Wechsel zwischen den Strategien, in Abhängigkeit davon, was die Betroffenen am effektivsten zum Ziel bringt, muss geübt werden.

Mögliche Strategien zur Kommunikation bei Beatmung/Tracheotomie können sein

  • Sprechventil
  • Lippenlesen/Überartikulation
  • Schreibtafel
  • Gesten, Zeichen - z.B. für ja/nein, wichtige Begebenheiten
  • Sprechzeichen
  • Kommunikationstafeln (Buchstaben, Wörter, Symbole, Fotos)
  • elektronische Kommunikationsgeräte mit Kommunikationsstrategien
  • adaptierter Schwesternruf
  • Umfeldsteuerung
  • Angehörige instruieren

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