Frühe Nutzer

Früh bezieht sich in diesem Kontext nicht auf das Alter, sondern auf ein bestimmtes Klientel:

Befinden sich Patienten/Patientinnen im Wachkoma, im Minimal Conscious State oder zeigen eine Vigilanzminderung, ist dies nicht gleichzusetzen mit einem gleichbleibenden Zustand, denn Veränderungen der Wachheit und Aufmerksamkeit sind zu beobachten. Eine Remission ist grundsätzlich möglich. Die Kommunikation dieser Personengruppe ist eher als ‚reaktiv’ zu bezeichnen - oftmals sind noch keine passenden Lösungen gefunden und gängige „einfache“ elektronische und nicht-elektronische Kommunikationshilfen können nicht verlässlich eingesetzt und angesteuert werden.

Schon früh lassen sich Fixations- und/oder Folgebewegungen der Augen beobachten. Daher sollte eine gezielte Förderung möglichst früh einsetzen. Feststellbare Veränderungen müssen zu einer Modifikation der therapeutischen Interventionen führen. Damit dies möglich wird, gewinnt die Evaluation von visuellen Reaktionen an Bedeutung. Kleinste Veränderungen müssen dokumentiert werden und dienen ggf. sogar zur Diagnoseabgrenzung (z.B. Wachkoma zu Minimal Conscious State) und bieten Ansätze für Fördermöglichkeiten.

Folgende Beobachtungskriterien können dabei im Fokus stehen

  • Werden Reize registriert?
  • Können visuelle Reize fixiert werden?
  • Können visuelle Reize verfolgt werden?
  • Welche Bereiche werden visuell erkundet?
  • Kann der Erkundungsradius ausgeweitet werden?
  • Entwickelt sich ein Ursache-Wirkungs-Verständnis?
  • Kann der Blick auf Aufforderung auf bestimmte Punkte gelenkt werden?
  • Werden Gegenstände/Personen erkannt?
  • Ist ein Sprachverständnis vorhanden?

Der erfolgreiche Einsatz einer Augensteuerung wird neben den Fähigkeiten des Nutzers/der Nutzerin auch maßgeblich von äußeren Faktoren, die in der Verantwortung des kommunikativen Umfeldes liegen, bestimmt. Das bedeutet, dass für einen gelingenden Einsatz der Augensteuerung verschiedene Faktoren – unabhängig von den Kompetenzen der Nutzer/-innen – von elementarer Bedeutung sind. Denn die Positionierung, mögliche Medikation oder Lichtverhältnisse nehmen direkten Einfluss auf die Funktionsweise der Technik. Indirekten Einfluss auf die sichere Anwendung einer Augensteuerung nehmen die Kenntnisse des Umfeldes zu Teilbereichen der Ansteuerung (z.B. Track-Status, Kalibrierungsmöglichkeiten) und den Teilschritten (z.B. Fixieren, Verfolgen, Verweilen, Auswählen, Feldgröße, Feldanzahl, Vokabularauswahl) . So können Interpretationen der Beobachtungen, die auf Basis fehlender Kenntnisse der Ansteuerung und den Teilbereichen entstehen, zu dem Fazit des Scheiterns der Intervention mit der Augensteuerung bei der beschriebenen Nutzergruppe führen. Damit wird die Relevanz der Sensibilisierung und Fortbildung des kommunikativen Umfeldes für eine verantwortungsvolle Rolle innerhalb der UK-Förderung deutlich. Dies wird u.a. in der aktuellen Diskussion zum Modelling und von Ansätzen der UK-Förderung wie dem COCP aufgegriffen (vgl. Heim et al., 2005). Auch Broyles et al. (2012) kamen zu dem Ergebnis, dass es Angehörigen ohne Instruktionen und Ermutigung seitens des Personals wie die Kommunikationshilfsmittel einsetzbar sind, oft schwerfällt in eine Kommunikationssituation zu gelangen.

Therapieprinzipien

Es gibt verschiedene Zielsetzungen für das Lernen mit einer Augensteuerung. Je nach Fähigkeiten des Patienten/der Patientin gilt es, Ziele zu formulieren und geeignete Übungsitems zu finden. Dabei können visuelle Fähigkeiten auch durch Low-Tech Materialen (z.B. Taschenlampen, Leuchtspielzeug, visuelle Tafeln, Gegenstände, Fotokarten, Symbolkarten, Schriftbilder, Blicktafeln bzw. Blickrahmen) gefördert werden. Die Prinzipien, die der Erarbeitung der Ziele zugrunde liegen, sind: Information/Dokumentation für alle Beteiligten sichtbar machen, Wiederholen, wiederholen, wiederholen sowie variieren und in den Alltag einbinden.

Mögliche Ziele auf dem Weg zum Erlernen einer Augensteuerung/Kommunikationsanbahnung können sein:

  • motivierende Elemente finden
  • Ursache-Wirkung erfahren
  • Blickkontakt, fixieren
  • wechselseitiges Handeln
  • verfolgen
  • Erweiterung der Blickrichtung
  • Verweildauer der Augen erhöhen
  • Größe des Stimulus verändern
  • Anzahl der Stimuli/Felder erhöhen
  • auswählen
  • Ja-/Nein-Konzept aufbauen
  • Vokabular erweitern

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